Eine große Reise stand bevor. Nach zwei Turnieren in Europa machte ich mich auf auf das dritte Turnier binnen drei Wochen. Diesmal war die Reise aber deutlich weiter, das Ziel: La Réunion. Eine kleines Überseegebiet von Frankreich, das sich im indischen Ozean befindet zwischen Madagascar und Mauritius. Los ging es vom Hamburger Flughafen aus erstmal Richtung Paris, durch die Nutzung von zwei verschiedenen Airlines, holte ich mein Gepäck in Paris ab, um es wieder am neuen Terminal einzuchecken. Dabei kam ich kurz ganz schön ins Schwitzen, denn eigentlich sind die Badmintontaschen etwas zu lang für die meisten Handgepäcksregelungen der Fluglinien. Diesmal hatte ich Pech und die Mitarbeiterin wollte, dass ich meine Tasche in das Testgepäckfach tue, um die Größe zu überprüfen. Mit Fingerspitzengefühl (ähem Gewalt) gelang es mir die Physik auszutricksen, und irgendwie passte meine Schlägertasche in das Fach. Puhh, Glück gehabt! Dann stand dem zweiten Flug nichts mehr im Wege und über Nacht ging es elfstündig nach Réunion.
Die Anreise war knapp berechnet, da das Turnier komplett selbst finanziert ist und der Flug alleine schon über 1000 Euro betrug, kamen wir erst am Mittwoch Morgen an und am Donnerstag ging es schon los. Der Vorteil bei Flügen nach Afrika anstatt nach Asien: es gab nicht so viel Zeitverschiebung, und der Jetlag hielt sich in Grenzen. Trotzdem spürten wir alle vor Ort natürlich die lange Reise in den Beinen und auch die stickige Luft in der Halle erschlug einen förmlich. Aber gleiche Bedingungen für alle, es galt das Beste draus zu machen.
In meiner ersten Runde stand mir eine französische Spielerin gegenüber. Nach souveränen ersten Satz, wurde ich doch ganz schön nervös im zweiten und lag lange Zeit zurück, bis ich am Ende den Spieß doch umdrehen konnte und in zwei Sätzen gewann. Es ist nicht leicht mit Gedanken wie, wie viel man für die Reise investiert hat usw., nicht Überhand nehmen zu lassen. Das nächste Spiel ging gegen eine Spielerin aus Singapur. Das gewann ich relativ sicher in zwei Sätzen, trotzdem fühlte ich mich auch in diesem Spiel noch nicht ganz wohl, die Bälle waren ordentlich fix, besonders zu Anfang, bis sie irgendwann an Geschwindigkeit verloren. Mir gelang es nicht so gut mich auf die variierenden Geschwindigkeit schnell einzustellen.
Am Freitag ging es dann im Viertelfinale gegen eine Inderin, die ich auf früheren Turnieren öfters gesehen habe, es war aber das erste Aufeinandertreffen. Das Gefühl von den ersten beiden Spielen war auch im dritten Spiel da, und ich kam einfach nicht rein. Zusätzlich hatte meine Gegnerin ansatzlose Schläge, die ich nicht gut lesen konnte. Der erste Satz ging verloren, und auch im zweiten Satz lag ich schon zwischenzeitlich über fünf Punkte zurück, aber irgendwie gelang es mir doch schließlich mein Beintempo zu erhöhen und ein Comeback zu starten. Der zweite Satz ging knapp an mich und der dritte Satz wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie spielte oftmals die schöneren Schläge, ich war mit den Beinen besser unterwegs. Ich merkte immer mehr, dass sie physisch am kämpfen war, aber meine Schlagkontrolle ließ mich zu oft im Stich. Am Ende verlor ich in der Verlängerung 20:22 das Spiel und schied zum dritten Mal in vier Turnieren im Viertelfinale aus. Entsprechend frustriert war ich. Ich war nicht glücklich über mein Spiel, es fühlte sich an wie ein reines Chaos. Nicht viel funktionierte zusammen, nur meine Willenskraft lies das Spiel am Ende so knapp ausgehen. Leider ist das manchmal so, man kann nur versuchen es nächstes Mal besser zu machen und Dinge zu verändern. Immer wieder sich die Frage zu stellen: Wie soll das eigene Spiel aussehen? Welche Ideen verfolge ich im Ballwechsel? Und wie kann ich das umsetzen?
Seit Weihnachten stand dann die erste Urlaubswoche im Jahr an, und wenn man schon auf einer Insel im indischen Ozean ist, bot es sich natürlich an die Urlaubswoche auch direkt dort zu verbringen. Thuc (Nguyen), (die übrigens im Mixed das Turnier mit Marvin (Seidel) gewann, Chapeau!!), ihre Freundin Alina, die als Unterstützung mitkam, und ich teilten uns zusammen eine Unterkunft und erkundeten mit dem Mietwagen die ganze Insel. So eine Natur habe ich noch nie erlebt! Ich kann nun stolz sagen dass ich im Berganfahren und durch Kurven cruisen deutlich mich verbessert habe. Berge, Vulkane, Wasserfälle und Meer. Dazu leckeres kreolisches Essen und herrliches Wetter. Es waren atemberaubende Tage mit mehr Wanderungen als gedacht. Highlight war für mich auf jeden Fall das Schwimmen unterm Wasserfall, deshalb musste das Beitragsbild natürlich einen der vielen gesehenen Wasserfälle zeigen. So konnte ich letztendlich die Frustration doch noch gut beiseite schieben und die paar Tage Urlaub gut genießen. Jetzt bin ich aber wieder hungrig aufs Training und kann es kaum erwarten wieder zum Schläger zu greifen.
















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