Canada Open 2025

Canada Open 2025

Dieser Beitrag fällt mir etwas schwerer zu schreiben. Nun sind es ein paar Tage her seit meinem Spiel und ich versuche das Turnier mit etwas Abstand nochmal in Revue passieren zu lassen. Aber fangen wir von vorne an.

Am Samstag in der vergangenen Woche ging es aus Omaha über Chicago nach Toronto. Irgendwie war ich auf der Reise ein bisschen durch den Wind, ich vergaß mein Ipad am Gate, zum Glück waren noch Jan und Stine mit mir zusammen unterwegs, die mich daran erinnerten. Dann vergaß ich prompt mein Ipad im Flugzeug beim Aussteigen wieder, zum Glück dachte ich diesmal selbst früh genug dran und konnte nochmal zurücklaufen. Puhh, was soll man zu so viel Schusseligkeit nur sagen?

Das Turnier fand in Markham statt, im Norden von Toronto. Die Stadt hat viele Einwohner mit chinesischen Wurzeln und der chinesische Einfluss ist an vielen Ecken spürbar. Es stand mal zur Debatte, dass wir als Familie nach Kanada vielleicht auswandern, wie mein Leben dann wohl ausgesehen hätte?

Ungewöhnlich, aber von den Spielern sehr geschätzt, gab es am Sonntag und Montag jeweils Haupthallenzeiten fürs Training. Oft wird nur an einem Tag Training in der Haupthalle angeboten. Zusätzlich gab es Trainingsmöglichkeiten beim Klub Mandarin Badminton, wo unter anderem die kanadischen Top-Einzelspieler Brian Yang und Victor Lai trainieren. Außerdem hatten wir auch die Möglichkeit ein großes Gym zu benutzen, welches sich im Komplex der Wettkampfhalle befand. Es waren Top-Bedingungen für ein Turnier.

Ich fühlte mich physisch insgesamt gut, die Trainingseinheiten hatten aus meiner Sicht eine gute Qualität, die Halle war nicht zu windig und relativ angenehm zu spielen, ich war bereit für den Wettkampf am Mittwoch. Dachte ich zumindest…

Die erste Runde sollte wieder gegen eine Qualifikantin sein wie in der Vorwoche in den USA. Meine Gegnerin hieß letztendlich Chloe Hoang aus Kanada, eine junge Spielerin, die aber schon ein paar ordentliche Ergebnisse auf kleineren Turnieren eingefahren hatte. Das Spiel fand am Mittwochnachmittag statt, morgens erfolgte eine kleine Aktivierung von ca. 45 Minuten auf dem Grundstück unserer Airbnb, wo ich kurze Sprints/Footwork und Mobility-Übungen absolvierte. Später fuhr ich dann Richtung Wettkampfhalle, dabei versuche ich immer ungefähr 2 Spiele vor meinem Spiel auf dem Feld in der Halle einzutreffen. Das Warm-Up für das Spiel erfolgt dann so, dass ich etwas mehr als 1 Spiel mir Zeit dafür nehme, im Durchschnitt sind das ca. 45 Minuten.

Schon zu Beginn des Spiels merkte ich, ich bin etwas verkrampft im Arm. Meine Länge ins Hinterfeld war oft zu kurz oder zu lang, ich machte früh leichte Fehler, und ließ mich verunsichern durch ihre ansatzlosen Schläge. Zusätzlich habe ich ihre Laufbereitschaft unterschätzt, die ich in der Analyse vorher als Schwachpunkt empfand. Gepaart mit dem schlechten Gefühl am Schläger verfiel ich immer mehr in Panik und bekam es nicht gut hin meine physischen Möglichkeiten auszuspielen und das Spiel richtig in die Länge zu ziehen.

Mentale Stabilität ist ein wichtiger Baustein. Wenn es nicht läuft, dann das Selbstvertrauen zu haben mit dem einfachen, geduldigen Spiel sich die Sicherheit im Laufe des Spiels wieder zurückzuholen. Nicht in Panik zu verfallen und alles zu Katastrophieren. Sich nicht von äußeren Umständen beeinflussen zu lassen, die im Moment des Wettkampfes erstmal keinen direkten Einfluss haben. Sich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und konstruktiv zu bleiben, egal wie schlecht es läuft. Manchmal fühlt es sich aber an, als würde eine Welle einen gerade erdrücken, und es ist zu leicht sich einfach davon überschwemmen zu lassen. Ich merkte auf dem Feld immer mehr, wie ich meine mentale Kontrolle verlor und mit vielen negativen Dingen gleichzeitig beschäftigt war.

Und so kam es wie es kommen musste. Ich kriegte das Ruder nicht rechtzeitig rumgerissen, zwischendurch führte ich zwar im 2. Satz 10:5, um dann aber prompt die Führung wieder abzugeben. Das Spiel ging in zwei Sätzen 15:21/18:21 an meine Gegnerin und mein Turnier war damit beendet.

Als Fazit kann ich nur sagen, es herrscht leider noch viel Unsicherheit in mir. Der Umzug mit seinen sportpolitischen Konsequenzen, die zwei großen Verletzungen am Knie und am Fuß und das Abfallen in der Weltrangliste mit seinen finanziellen Konsequenzen fühlen sich an schlechten Tagen wie unglaublich große Hürden zusätzlich an neben dem Stress auf dem Feld. In diesem Turnier konnte ich mich davon nicht frei machen. Umso dankbarer bin ich gegenüber meinem Team zu Hause, das entschlossen hinter mir steht und mir den Rücken stärkt.

„Gut Ding will Weile haben.“

Die Unsicherheit wird auch noch weiter andauern und immer wieder aufflammen. Zusammen arbeiten wir aber weiter. Mentale Stärke kommt nicht von Heute auf Morgen, sondern ist ein Prozess, der auf Vertrauen und Wohlbefinden basiert, was seine Zeit und die richtigen Menschen um einen rum braucht.

In der verbleibenden Zeit konnte ich mir die Stadt Toronto noch ein bisschen anschauen und habe etwas vor Ort auch weiter trainiert.

Eine Woche Urlaub steht nun an, bevor es in die Vorbereitung für die WM Ende August geht. Es wird nicht langweilig, es gibt wie immer viel zu tun! Auch die letzten zwei Klausuren in meinem Master für Wirtschaftsingenieurwesen stehen in den nächsten Wochen an. Zeit also die Skripte rauszukramen und das Gehirn damit zu füttern (haha 🙀).

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