Ein Jahr nach den Olympischen Spielen ging es zurück an diesen besonderen Ort. Die Adidas Arena im Nordosten von Paris.
Am Samstag ging es mittags aus Hamburg los nach Paris. Da unsere Trainingszeit sehr nah an meine Ankunftszeit gelegt wurde, ging es mit dem Taxi direkt vom Flughafen in die Trainingshalle. Ich packte mein bestes Schulfranzösisch aus und versuchte meinem Taxifahrer zu erklären, dass die Badminton-Weltmeisterschaften in der Adidas-Arena in den nächsten Tagen dort stattfindet. Es war schon ein bisschen komisch mit einem Koffer beim Training zu erscheinen, aber letztendlich klappte alles reibungslos. Ich traf auf die anderen deutschen Spieler und wir Mädels hatten ein eher lockeres Training, um die Müdigkeit aus den Beinen zu bekommen von der Reise mit ein paar lustigen Runden Englisch-Doppel und paar kurzen Übungs-Intervallen.


Sonntag stand dann das Haupthallentraining an, die Bälle waren im Training relativ langsam und es war grundsätzlich ein starker Seitenwind zu spüren. Das sollte aber nichts heißen. Nicht selten sind die Bedingungen in der Trainingseinheit am Ende doch ganz anders als während des Wettkampfes.


Montag ging es dann los. Das 1. Spiel für mich war angesetzt als das letzte Spiel auf (dem letzten) Feld 4 des Tages. Wenn man mich fragt, möchte ich lieber das 1. Spiel des Tages spielen oder das letzte Spiel, dann wäre meine Antwort das 1. Spiel. Eigentlich bin ich vom Typ her eher eine Nachteule, aber der Vorteil das 1. Spiel des Tages zu spielen ist einfach die bessere Planbarkeit und die verlängerte Regenerationszeit auf den nächsten Tag. Spielt man spät abends, dann ist man den ganzen Tag angespannt, muss konstant die Zeitplanänderungen verfolgen und alles verschiebt sich nach hinten. Durch das Adrenalin am späten Abend, fällt mir persönlich das schnelle Einschlafen auch ziemlich schwer nach dem Spiel.
Mein Match gegen Ines Castillo aus Peru wurde zu einer Achterbahnfahrt. Im 1. Satz war ich überhaupt nicht klar auf die Aggressivität meiner Gegnerin und den Rückenwind gegen den ich spielte. Meine Lifts waren sehr kurz und gaben mir selten genug Zeit um stabil in der Abwehr zu stehen. Meine Gegnerin griff beherzigt alle ansteigenden Bälle an, und mit dem Rückenwind wurden die Smashes noch härter. Grundsätzlich war der Wind deutlich stärker zu spüren als im Training und es war schwierig den Ball zu kontrollieren. Nach einem beträchtlichen Rückstand kam ich nochmal zurück zum Ende des Satzes, und dann ging es Kopf an Kopf weiter. 20:20; 21:20; 25:26… Mal hatte ich den Satzball, mal sie, aber keine konnte den Sack zu machen. Bis schließlich Castillo 30:28 den Satz für sich holte und ich musste mental damit fertig werden der knapp misslungenen Aufholjagd nicht hinterher zu trauern. Der 2. Satz ging nicht gut weiter, ich haderte viel mit mir selbst, verspürte keine positive Energie und es fiel mir schwer im Hier und Jetzt zu arbeiten. Mit aller Willenskraft versuchte ich mich zusammenzureißen. Die paar mitgereisten deutschen Fans auf der Tribüne feuerten mich unermüdlich an, so dass ich mich nicht komplett in meinem eigenen Kopf verlor. Und Stück für Stück kämpfte ich mich zurück und konnte schließlich die Sätze 2 und 3 mit 21:14/21:9 für mich entscheiden.
Ein großer Stein fiel mir vom Herzen, aber richtig glücklich machte mich die Performance nicht. Ich hatte nun einen Ruhetag, um meine Gedanken zu sortieren, um mit einem anderen Mindset in das nächste Spiel zu gehen. Ich ging ins Training, schrieb meine Gedanken auf und hielt Kontakt zu Menschen, die mir wichtig waren.

Und so kam auch schon Tag 3, die zweite Runde gegen niemand geringeres als die Nummer 1 der Welt, amtierende Olympiasiegerin und Weltmeisterin, An Se Young aus Korea. Ich habe schon einige Male gegen sie gespielt, mal mehr, mal weniger gut. Ich nahm mir vor konsequent zu spielen und die Initiative konstant zu suchen. So gelang mir eine schnelle Führung zum Anfang des Spiels. Nach 7:2 Führung kam aber An Se Young besser ins Spiel, ich hielt bis zur Mitte des Satzes gut gegen, aber dann kippte es letztendlich komplett und ich musste den Satz 15:21 abgeben. Im 2. Satz gelang es mir dann nicht in dem hektischen Spiel genug Kontrolle zu bewahren, das Feld wurde dadurch für meine Gegnerin zu klein, und sie ergriff jede Chance, um mich präzise auszukontern. Am Ende hieß es 7:21, das Ergebnis trügt vielleicht ein wenig, denn es waren einige sehr gute Ballwechsel dabei, aber An Se Young ist dafür bekannt auch zu Ende geglaubte Ballwechsel noch umzudrehen und für sich zu entscheiden.
Es war ein akzeptables Spiel zum Abschluss der WM, ich war glücklich über die gezeigte Geschwindigkeit in den Beinen, die Ballkontrolle war aber noch deutlich ausbaufähig. Wichtig war aber auch, dass ich einfach rausgegangen bin und gespielt habe. Es hat wieder mehr Spaß gemacht auf dem Feld, und ich konnte mich einfach darauf konzentrieren alles in die Waagschale zu werfen.
Dieses Mal konnte ich nicht so viel von Paris erkunden, aber jeder Trip in diese Stadt fühlt sich irgendwie besonders an. Ich mag die Stimmung, die die Franzosen mit in die Halle bringen, und natürlich wird diese Stadt und die Halle immer mit den Olympischen Spielen verbunden sein.
Ich hoffe, ich kann wieder zurückkehren an diesen Ort, um den nächsten Wettkampf in Paris zu bestreiten!
Hier mein Spiel gegen An Se Young:
















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