Das waren aufregende zwei Tage, die ich in Suwałki, nahe der litauischen Grenze, erleben durfte. Los ging es Sonntagabend mit dem Flugzeug von Hamburg nach Warschau. Nach einem kleinen Abendessen in der Lufthansa Lounge (man muss ja seinen hart verdienten Frequent Traveller Status ausnutzen) hob auch schon der Flieger ab in Richtung der polnischen Hauptstadt.
Ich spiele seit dieser Saison bei dem Verein ABRM Warszawa, nachdem mich Jacek, mein früherer Jugendtrainer, gefragt hat für seinen Club in Polen zu spielen. Es bot sich zeitlich gut an, da die Spiele immer montags oder dienstags angesetzt sind, und somit es nicht zu Terminüberschneidungen mit der deutschen Bundesliga kommen kann. So wurden nun auch die Play-Offs am Montag (Halbfinale) und Dienstag (Finale) ausgetragen. Der Grund für diese ungewöhnliche Terminwahl ist die größere Möglichkeit eine Fernsehübertragung zu ergattern. Am Dienstag wurde das Finale fast über zwei Stunden im Live-TV gezeigt.
Übernachten tat ich von Sonntag auf Montag bei Paulina, meiner Teamkameradin und gleichzeitig Tochter von Jacek. Sie lebte eine lange Zeit in Deutschland bevor die Familie vor ca. 12 Jahren nach Polen umzog, und ich kenne sie noch von ganz früher. Fun fact: Wir haben am gleichen Tag Geburtstag!
Halbfinaltag
Montag früh ging es dann los auf die dreistündige Autofahrt nach Suwałki, die Strecke kannte ich schon von einem Spiel aus der regulären Saison. Dort angekommen hatten wir noch etwas Zeit im Hotel. Nach einem Mittagsschlaf und einem guten Mittagessen fuhren wir gestärkt und ausgeruht in die Halle für die Halbfinalbegegnung: ABRM Warszawa vs. UKS Unia Bieruń. Wir waren der eindeutige Favorit und dem wurden wir auch gerecht. Gespielt wurde auf zwei Feldern gleichzeitig, und wir gingen schnell 2:0 in Führung nach den Doppeln. Das erste Herreneinzel und mein erstes Dameneinzel liefen dann parallel. Unser erstes Herreneinzel lieferte eine super Leistung ab und bezwang in zwei Sätzen Jeppe Bruun aus Dänemark. Ich hatte einen wackeligen ersten Satz, aber schließlich gewann ich auch glatt in zwei Sätzen gegen Popovska aus Bulgarien und sicherte somit den Einzug ins Finale.
Übrigens wird in der polnischen Liga zwei Gewinnsätze bis 15 gespielt und ohne Verlängerung. Die Spiele sind dadurch deutlich kürzer und ich merke wie mich das etwas stresst auf dem Feld. Jeder Fehler fällt da etwas mehr ins Gewicht. Außerdem dürfen nur bis zu zwei ausländische Spieler pro Mannschaft in einer Begegnung antreten. In meiner Mannschaft bin ich die einzige Spielerin aus dem Ausland.
Finaltag
Am Dienstag stieg dann das Finale. Jedem aus der Mannschaft war bewusst, jetzt wirds ernst. Der Gegner ist nicht überraschend Seriensieger und Gastgeber SKB Suwałki, gegen die wir aber in die Hauptrunde diese Saison schon gewinnen konnten. Es gab eine Überraschung in der Aufstellung der Gegner, sie ließen ihre erste Dame raus, um ihre Nummer zwei, die ‚Neu‘-Österreicherin Xu Wei ins erste Einzel stellen zu können, und ihre dritte Dame rückte ins zweite Einzel nach. Das bewirkte aber auch eine geänderte Spielreihenfolge, da Wei das vorige Doppel auch bestreitet und plötzlich war das erste Dameneinzel als siebtes und damit letztes Spiel angesetzt.
Das hieß also für mich erstmal die Rolle des Maskottchens zu erfüllen. Unsere Bank war dünn besetzt gegen die einheimischen Fans, umso lauter versuchten wir unsere Teamkameraden anzufeuern. Gleich in den Doppeln wurde es richtig spannend, beide gingen in den entscheidenden fünften Satz, am Ende entschieden wir das Herrendoppel für uns und das Damendoppel ging knapp an die Gegner. Es folgte das erste Herreneinzel und das zweite Dameneinzel. Dominik, unser erster Herr, lieferte wieder eine richtig gute Leistung ab, und holte sich den Sieg mit einer unglaublich guten Abwehr. Zuzanna machte es im zweiten Einzel auch richtig gut, hatte aber zwischendurch einen Hänger, dadurch musste sie in den dritten Satz. Das spielte sie aber dann souverän runter und holte uns die 3:1 Führung. Nach den vier Spielen ging es nur noch auf Feld 1 weiter, unser Mixed hatte gleich die erste Chance, um unseren Sieg zu besiegeln. Und das taten sie auch in bravouröser Manier. Nach zwei Sätzen hieß es Spiel, Satz und Sieg (oder bei uns eher: Satz, Spiel und Sieg?!), und der neue Meister heißt: ABRM WARSZAWA!!!
Gleich in der ersten Saison für mich konnten wir den Meistertitel holen. Hoffentlich können wir den Erfolg im Folgejahr wiederholen!


















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