Es blieb keine Zeit zum Verschnaufen seit dem Sieg bei den Dutch Open. Sonntagnachmittag der 04.10. ging es mit dem Auto direkt aus Den Bosch nach Hause, die Ankunftszeit in Hamburg war letztendlich 21 Uhr. Schnell Wäsche waschen, Sachen umpacken und direkt am nächsten Morgen um 8.30 Uhr flog ich vom hamburger Flughafen nach Helsinki, um mich auf den Weg zu machen zu den CLASH OF CLANS Arctic Open.
Viele kennen bestimmt das berühmte Handyspiel, das bei diesem World Tour 500 Turnier der Titelsponsor ist, und durch den Sponsor hat das Turnier auch seinen eigenen Charakter. In der ersten Ausgabe vor ein paar Jahren wurde man förmlich überschüttet mit Merchandise des Handyspiels, von Sticker, Plüschtieren, Figuren und richtigen Statuen war alles dabei im Goodiebag für die Athleten. Dieses Jahr war das Willkommensgeschenk zwar deutlich kleiner, aber trotzdem gab es eine Trinkflasche und einen Plüschanhänger von Clash of Clans und ein Handtuch der Marke Moomin (eine bekannte Cartoon-Figur aus Finnland).
Aber zurück zum Turniergeschehen. Montagnachmittag gab es eine kurze Eingewöhnung in der Haupthalle und schon ging das Turnier für mich Dienstagmorgens dann los, da ich in der Qualifikation antreten musste. 8.50 Uhr war das Spiel angesetzt (man beachte das war dann 7.50 Uhr deutsche Zeit 🥱). Aber es hätte auch 8.00 Uhr sein können, schlimmer geht immer 😉. Die Gegnerin hieß Rakshitha Sree Santosh Ramraj aus Indien, aktuelle Nummer 39 der Welt. Ich startete sehr gut in das Spiel und mir unterliefen im 1. Satz kaum Fehler, während meine Gegnerin noch das Gefühl für das Feld suchte. 21:11 ging der erste Satz an mich, aber schon im 2. Satz dreht sich es, die Inderin spielte aggressiver und spielte oftmals technisch sehr starke Bälle, während mir gleichzeitig mehr Fehler unterliefen und ich passiver wurde, so dass sie den 2. Satz mit 16:21 für sich entschied. Im 3. Satz habe ich es taktisch sehr gut geschafft zwischen einem sicheren Spiel und eigenem Angriffsspiel zu wechseln und sie kam dadurch nicht richtig komfortabel in ihren Rhythmus, ich gewann mit 21:9. Das war spielerisch ein weiterer richtig guter Sieg und bedeutete die Qualifikation für die Hauptrunde!
Der Zeitplan hat es aber nicht gut mit mir gemeint, die Hauptrunde war schon für den gleichen Abend angesetzt und ich musste gegen niemand geringeres als die Nummer 9 der Welt, Pornpawee Chochuwong aus Thailand ran. Es sollte das 7. Aufeinandertreffen werden, und entweder konnte ich bisher ganz passabel mitspielen, oder ich hatte nicht den Hauch einer Chance, die Bilanz sprach aber für sich: 0:6. Wie wird es diesmal? Am Ende muss ich sagen, sie hat sehr gut gespielt und ich war eher chancenlos. Sie machte es mir extrem schwer druckvoll anzugreifen, da sie eine sehr gute Länge nach hinten hatte und für alles bereit war, was ich spielte. Ich hatte auch nicht mehr den Kopf, um geduldig mein Spiel aufzubauen. Wenn du das Gefühl hast der Gegner präsentiert dir gerade keine Lücken und bestraft jeden ungenauen Ball von dir, dann ist es nur zu leicht in Panik zu verfallen, und das ist leider passiert. Anstatt mit einer stabilen Qualität zumindest erstmal in die Ballwechsel zu kommen und sie länger zu bearbeiten bevor sich evtl. Chancen präsentieren können, war mein Kopf nach all den Spielen nicht mehr frisch und mir unterliefen zu früh zu viele Fehler oder qualitativ schlechte Bälle. Zusätzlich ließ ich mich auch durch Nebengeräusche außerhalb des Feldes ablenken, ich schaffte es nicht mich richtig zu fokussieren. Endergebnis 14:21/12:21. Was ich aber trotz des für mich unzufriedenstellenden Ergebnisses für mich mitnehmen konnte war, selbst nach der starken Belastung der letzten Tage fühlten sich meine Beine immer noch relativ schnell an, und ich konnte das Grundtempo grundsätzlich mitspielen. Am nächsten Morgen ging es direkt nach Hause für ein paar Trainingstage bevor es dann Samstagabend schon wieder auf die nächste Reise ging. Wohin?
Richtig! Die Reise ging nach Polen, genauer gesagt nach Suwałki (wer sich fragt wo das ist, kann das gerne mal auf Google Maps nachschlagen). Aber bevor es dorthin ging, flog ich erstmal Samstagabend nach Warschau und übernachtete bei meiner Teamkameradin Jessica (Orzechowicz) und ihrem Freund Szymon in Warschau. Sonntagmorgen gingen wir noch etwas trainieren bevor es mittags mit dem Teambus 3h nach Suwałki ging. Dort angekommen erwartete uns eine Pressekonferenz, wo sich alle Teams der polnischen 1. Liga versammelt haben. Es wurde viel geredet (polnisch versteht sich, ich verstand kein Wort) und plötzlich ertönte mein Name als erstes aus dem Nichts um auf die Bühne zu treten und ich war völlig verwirrt 🤯. Teamfotos wurden gemacht und schon war die Konferenz auch vorbei und wir ließen den Abend gemütlich im Hotel ausklingen.
Das Spiel ging dann los am Montag um 10 Uhr morgens. Für den deutschen Leser vielleicht etwas verwunderlich. Wer setzt denn ein Ligaspiel um 10 Uhr unter der Woche an? Wie viele Zuschauer kommen denn dann? Und ihr vermutet richtig, es kamen genau 0 Zuschauer, aber immerhin waren ein paar Kinder da, die den Job eines Linienrichters übernahmen. Ob es deren erste Erfahrung dabei war? Gut möglich. Warum die Uhrzeit? Mir wurde gesagt, dass zu den unkonventionellen Uhrzeiten die Chance größer war eine TV-Liveübertragung im Fernsehen zu ergattern. Das nachfolgende Spiel des Heimteams SKB Suwałki, wurde schließlich komplett im polnischen Fernsehen übertragen. Unser Team Legia Warszawa trat diesmal gegen das Team KS Badminton Kobierzyce an und ich sollte im Doppel mit Kornelia (Marczak) und im Einzel antreten. Das Doppel gewannen wir souverän gegen die Kisiel-Schwestern und ohne Pause absolvierte ich im Anschluss direkt das Einzel, welches ich auch ungefährdet für mich entscheiden konnte. Unser Team gewann letztendlich mit 7:0. Job erledigt!
Nach der Partie ging es wieder 3h zurück nach Warschau. Da mein Flug erst abends um 20.30 Uhr wieder nach Hamburg ging, hatten Jessica und ich noch genug Zeit lecker Essen zu gehen, etwas zu schoppen und ihren 24. Geburtstag mit einem Tiramisu zu feiern! 🥳🎂 Kurz bevor Jessica mich dann zum Flughafen gegen 19 Uhr brachte kam dann die Neuigkeit: Ich bekam die Chance doch bei den anstehenden Denmark Open teilzunehmen! Ich hatte überhaupt nicht mehr damit gerechnet. Wer erwartet denn nachdem man Reserve 11 anfangs auf der Anmeldeliste war, noch die Chance zu bekommen bei einem World Tour 750 teilzunehmen? Problem nur: Ich sollte 22.15 Uhr in Hamburg landen und das Turnier begann am nächsten Morgen um 9 Uhr im 300km entfernten Odense…
… und wie das dann alles lief, könnt ihr im nächsten Beitrag lesen. Also seid gespannt!




Stream von meinem Qualifikationsspiel gegen Ramraj:
Stream von meinem Hauptrundenspiel gegen Chochuwong:
Stream von der Polnischen Liga:
Ergebnisse:
Arctic Open:
https://bwfbadminton.com/player/91106/yvonne-li/
Polnische Liga:
















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